Remo BreussVon der Schweiz nach Österreich im Rückwärtsgang
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Die folgende skurrile Geschichte von 2004 beginnt damit, dass ich über die österreichische Grenze zu einem Geschäftstermin in die Schweiz gefahren bin. Ich fuhr bereits seit Jahren von meinem Heimatort in Vorarlberg in die Schweiz und betreute dort Projekte und baute Partner auf. Also war das nichts Ungewöhnliches. Bis zu diesem Tag. Ich weiß noch genau: Es war der Faschingsdienstag. Der Zöllner kontrollierte mich und verlangte plötzlich eine Arbeitsbewilligung für die Schweiz von mir. Die hatte ich nicht, aber dafür ein Dokument der Wirtschaftskammer in Wien, das mich als Technischen Berater der Firma EVVA auswies. Mit diesem Dokument kam ich bisher immer gut aus. Der Zöllner meinte nur: „Das muss ich klären.“ Nach einer Stunde Wartezeit im Auto ertönte plötzlich der Befehl: „Aussteigen, kommen Sie mit!“ Ich dachte zuerst an einen Faschingsscherz und war schon recht erbost. Aber es war ihm ernst: „Ich habe bereits die Polizei informiert, um Sie abzuholen!“ Bei der Polizei bin ich wieder stundenlang nur herumgesessen, bis man mich endlich informierte, dass „Technischer Berater“ ein angemeldeter Beruf in der Schweiz sei und ich, der hier keine Arbeitsbewilligung habe, somit ein Schwarzarbeiter. Ich wurde verhaftet, verhört und erst spätabends freigelassen – ich musste rückwärtsfahrend über die Grenze nach Österreich zurück. 14 Tage später kam der Gerichtsbrief mit einem Bußgeld über 2.500 Schweizer Franken. Ich als Illegaler? So konnte es natürlich nicht mehr weitergehen. Ich informierte das Headquarter in Wien und kurz darauf hatte ich die Arbeitsbewilligung für die Schweiz. Dieser irrwitzige Vorfall hat in Folge dazu beigetragen, dass EVVA mein damaliges Ein-Mann-Büro in St. Gallen bis 2006 zu einer eigenen Niederlassung in der Schweiz ausgebaut hat.